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Closed loop, open issues

Aktualisiert: 3. Sept 2019

*english below*

was machst Du, wenn du dich beim Shoppen nicht zwischen zwei T-Shirts entscheiden kannst? Du nimmst beide.


Das würdest du bei Fahrrädern, Telefonen oder Sofas niemals erwägen, richtig? Bekleidung ist inzwischen so billig produziert, dass sie bei uns den Stellenwert leicht zugänglicher Wegwerfware bekommen hat. Das nervt mich oft an meiner Arbeit: Unsere Branche ist ein dreckiger, unregulierter, gigantisch großer Markt. Der Wert ihrer Ressourcen ist nur wenigen wirklich bewusst, die Liefer- und Herstellungsketten allein der Stoffe komplex, und wir sind hier mit nahezu jedem grossen Problem konfrontiert, das heute in der globalen Wirtschaft existiert: Ausbeutung von Mensch und Planet, Abfallprobleme durch Bekleidung, sekundärer Abfall wie Chemikalien, Produktionsreste, Giftstoffe etc., katastrophales Rohstoff-Management, Mikro-Kunststoffe, Tierschutz, und so weiter.


Im Gegensatz dazu steht das Konzept der Circular Economy, dessen Grundidee recht klar ist: Hersteller konzipieren ihre Produkte in einem geschlossenen Kreislauf, der nebst Beschaffung, Herstellung und Verkauf auch die Rücknahme und/oder Wiederverwertung aller einzelnen Komponenten in den Produktkreislauf einbezieht. Das wird als "closing the loop" bezeichnet und ist natürlich eine Menge Arbeit mit augenscheinlich keinem Profit. Deswegen machen das Hersteller nicht so gerne.


Speziell in der Mode wundert es mich eigentlich, dass Hersteller nicht (wie bei Elektro-Geräten) zur Rücknahme ihrer Altkleidern verpflichtet sind. Denn das Bekleidungs-Geschäft hinterlässt genausoviel Müll:


1. Wir tragen nur etwa 40% aller Kleider, die wir kaufen

2. Die Sachen, die wir tragen, tragen wir zu 39% nur wenig oder selten

3. Wir sortieren täglich Tonnen von Altkleidern aus, die entweder in andere Länder verschickt werden und dort lokale Bekleidungsbranchen untergraben und ruinieren, oder die mangels material-gemässer Optionen in Bergen verbrannt werden

4. Die Kleiderkammern der Caritas bekommen Unmengen von Kleiderspenden, leider mit einem grossen Anteil untragbarer und kaputter Kleider

5. Was wir nicht kaufen, vernichten Hersteller oft lieber, als durch Ausverkauf den Wert ihrer Marke zu beeinträchtigen


Am Freitag war ich bei einem Workshop über die Kreislaufwirtschaft im Bereich Bekleidung, den unter anderem von Future Fashion Forward, Circular Berlin, Berlin Partner, circular fashion und anderen Partnern aus der Berliner Szene für nachhaltige Mode veranstaltet haben. Hier ging es um die Frage, wie sich Berlin bei der zirkulären Bekleidungs-Wirtschaft künftig positionieren kann. Die Übersichtsvorträge und anschließenden Workshops enthielten einige heftige Informationen, die auch mir als Branchen-Teilnehmer und Kenner der nachhaltigen Mode-Szene Berlins neu waren: Die Kleiderkammern der Caritas erhalten zum Beispiel etwa 80% ihrer Spenden in Form von Frauenkleidern, ihre Kunden bestehen aber zu rund 80% aus Männern. Das Mismatching ist hier besonders krass, finde ich. Mit diesem Problem haben die Kleiderkammern wirklich zu kämpfen, denn viele laden ihre untragbare, kaputte Fast-Fashion-Altkleidung säckeweise dort ab.


Lösungsansätze waren beim Workshop darum die oben erwähnte zirkuäre Wirtschaft, um vor allem die Wiederverwertung textiler Fasern zu ermöglichen. Hierbei stellt vor allem circular.fashion ein sehr ambitioniertes und durchdachtes Projekt vor, das Modedesignern beim Aufbau einer zirkulären Kollektionsplanung hilft. Weiterhin wurde über Methoden von Reverse Supply Chain Technologien diskutiert, die textile Ressourcen in den Tonnen von Kleidermüll wiederverwerten können. Hier sind zu Beispiel Materialmischungen oder Zutaten wie Reißverschlüsse problematisch, da gängige Verfahren oft nur auf einzelne Materialien anwendbar sind. Thema waren auch diverse Shared Economy Modelle, die zumindest eine Reduzierung im Konsum bewirken können.


Kurzum: Es reicht nicht, seinen Schrank mal zu „konmari-en“ und der Caritas dann 4 Säcke geschrottete Fast Fashion vor die Tür zu stellen.


Speziell Circular Berlin haben mich beeindruckt, die durch Teile des Workshops geführt haben und die das Zirkulär-Problem von vielen Seiten begriffen haben. Sie sind ein Team von ziemlich schlauen Menschen, die Wissen teilen, Bewusstsein generieren und praktikable Lösungen fördern wollen.


Das Team von Circular Berlin hat das Thema Circular Economy nicht zu einem abstrakten Anhäufen von Bekenntnissen und unpraktikablen Appellen gemacht. Sondern zu einer ernsthaften Auseinandersetzung darüber, was wir in unsere Branche in Zukunft unter den Begriffen „Ressource“ und „Materialzyklus“ verstehen sollten.


Jedes Unternehmen in der Modeindustrie sollte sich überlegen, was es beitragen kann. Ich kann zum Beispiel meine Kunden ermutigen, den Rocksack gegen Geld zurückzuschicken, wenn das Baby rausgewachsen ist. Das geht ja im Allgemeinen recht schnell. Damit kann ich zwei Dinge erreichen: Die Schlafsäcke haben ein zweites oder drittes Leben, und meine Kunden haben den Anreiz, ihre Rocksäcke nur so lange zu benutzen, wie sie sie brauchen.


Das ist noch kein besonders ausgefeiltes System, aber es zeigt, dass auch ein sehr kleines Unternehmen Möglichkeiten hat, Shared Economy und Achtsamkeit auf sehr kleiner Ebene einzubinden. Ich nenne das Konzept "Rent-A-Rocksack", wobei streng genommen kein Mietvertrag geschlossen wird. Aber mein Kerngedanke ist hier: Man muss Dinge nicht besitzen, um sie zu gebrauchen.



*english*

What do you do when you go shopping and can’t decide between two shirts? You take both?


You‘d never consider this if it were a bike, a phone, or a sofa, right? But apparel has become so cheap to make and sell that we perceive it as disposable. This is the main issue I have with my work: our industry is a dirty, unregulated, gigantic mess. Only few consumers are aware of its resouces’ value, the supply chains and sourcing routes are complex, and it is an industry that encounters almost every large problem we face in today’s global economy: exploitation of humans and of our planet, waste problems caused by textiles, secondary waste such as chemicals, production clippings, toxins and such, abysmal resource management, micro plastics, animal welfare and so much more.


Take, as a contrast, the mindset of Circular Economy, whose principles read simple enough: producers design their products within a so-called closed loop, wherein the product cycle that next to sourcing, assembling and selling also involves returning and/or recycling of all the good’s components in the product's life cycle, thereby "closing the loop". Because that seems like a lot of extra work for no profit, producers don't like the cleanup part.


I'm actually surprised that fashion labels aren't obligated to take back the worn out, old clothes they once sold to customers. You know, the way electronic manufacturers are. Because the apparel business generates just as much waste:


1. We only wear about 40% of all the apparel we buy

2. Of the stuff we actually wear, most items are worn rarely or seldom

3. We discard tons of old clothing each day that are shipped to other countries The where they either ruin the local apparel industries, or where thy are often burned for want of proper waste management

4. German Caritas' second hand clothing stores, the "Kleiderkammern", are often swamped with heaps of apparel donations, but those often include a majority of dirty, torn, or otherwise unwearable clothes

5. The stuff we never buy? Fashion labels often prefer to destroy their unsold wares than to damage their brand's reputation by selling cheaper


Last Friday, I attended a workshop on Circular Economy concepts for Berlin that was held by Future Fashion Forward, Circular Berlin, Berlin Partner, circular fashion and other partners from the local fashion sustainability scene. The half day's meeting was all about positioning Berlin as a Circular Fashion Economy hub. The orientation lectures and subsequent workshops contained some heavy information that was new to me, even as a member of Berlin's sustainable fashion crowd and someone working in the industry:


Again, Caritas' Second Hand Shops: Offering very fair prices, these "Kleiderkammern" are primarily designed to provide decent clothing to people with very little financial means. So a whopping 80% of the donations they receive is made up of women's clothing, yet about 80% of their customers are men, as told to us by Caritas' speaker. This is a very extreme mismatch and a huge problem for Caritas, who simply does not have enough storage space to keep all donations. Nonetheless, people keep dumping their old, ripped, low-quality fast fashion.


In our workshops, we focused on circular solutions in order to allow for the re-cycling and high quality re-use of textile fibers first and foremost.Especially circular.fashion presents an ambitious and very thought-out project helping fashion designers setting up circular collection concept. We also touched on methods of Reverse Supply Chain technology that could potentially recycle the textile fibers of clothes waste. Mixed fibers, zippers and buttons complicate this process, as current processes usually only apply to a single material. Another focus was on various Shared Economy models that can help to reduce consumption and prolong the life cycle of products.


In short: It's not enough to go all Marie Kondo on your wardrobe and then drop 4 bags of wrecked Fast Fashion in front of your local Oxfam's door.


I was especially impressed with Circular Berlin, who managed parts of the workshop and who tackle the Circular Economy issue from different angles. They are a team of very smart people sharing knowledge, bulding awareness and further best practice solutions.


Their effort helped to produce a serious debate on how we as an industry and city will have to adapt our concepts of "resource" and "material cycle" in the future, rather than closing out with feeble commitment, lip service and impractical appeals.


Every fashion enterprise should determine what they can contribute. I encourage my customers to send back their Rocksack in return for some money once their baby outgrows it. As they normally do relatively fast. I can achieve two things: The baby sleeping bags have two ore more life cycles in them, and my customers have an incentive to keep their Rocksacks just as long as they need them.


This is not a very elaborate setup, but it shows that even very small businesses have the chance to include Shared Economy concepts and support resource mindfulness. I call this concept "Rent-A-Rocksack", although there's no rental agreement in the strict sense. My main concern is: You don't have to own things to use them.

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